Schweinswalfreundliche Fischerei

Schweinswale sind die einzigen Meeressäuger, die in der Ostsee zu Hause sind. Leider sind sie aus verschiedenen Gründen sehr gefährdet. Jährliche werden an der deutschen Ostseeküste z.T. über 150 tote Tiere gefunden. Ein Teil davon stirbt unbeabsichtigt als Beifang in Stellnetzen. Jetzt wollen Fischer und Naturschutz erstmals gemeinsam an einer Lösung für dieses Problem arbeiten.

Steckbrief Schweinswal

Größe & Gewicht: durchschnittlich 1,50 m, 75 kg

Alter: 10 bis 15 Jahre

Lieblingsnahrung: Fettfische, z.B. Hering. Wenn keine Heringe da sind auch Plattfische, Grundeln, Aalmuttern, Sandaale etc.

Geburt: Juli und August.

Schweinswale setzen eine Art Sonar zur Orientierung ein. Klicklaute, deren Echo sie wieder auffangen und in ein räumliches Hörbild einbauen. Die zu feinen Maschen der Stellnetze können sie jedoch oft nicht rechtzeitig wahrnehmen. Verheddern sich die Tiere in den Maschen der Netze, ertrinken sie.

Kürzere Netze zum Schutz der Wale

Um Schweinswale zu schützen, verkürzen die Fischer ab jetzt ihre Netze: der Zeit von Anfang Juli bis Ende August reduzieren sie an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste innerhalb der 12-Seemeilen-Zone ihre Stellnetzlängen - je nach Fahrzeuggröße um 60 bis 85 % gegenüber der von der EU erlaubten Länge. Insgesamt soll dadurch eine Halbierung des in dieser Zeit üblichen tatsächlichen Fischereiaufwandes erreicht werden.

In welchem Umfang die Reduzierung der Netze eingehalten wird, kontrolliert ein Team vom Ostsee Info-Center. Die Mitarbeiter erfassen die Stellnetze mit GPS-Daten. Anhand der Kennzeichen auf den Stellnetzflaggen ordnen sie die Netze den Fischereibetrieben zu. So kann die Einhaltung der Netzlänge später am Schreibtisch überprüft werden.

 

Anonymisierter Abholdienst für Schweinswale

Die Ablieferung von beigefangenen Schweinswalen an Forscher ist besonders wichtig, denn Erkenntnisse über Krankheiten und Todesursachen der Tiere sowie über das Ausmaß der Beifangproblematik können helfen, den Schweinswal in Zukunft besser zu schützen. Kein Fischer will einen toten Wal im Netz. Im Gegenteil. Das Vorurteil Toter Schweinswal - böser Fischer macht es dem Fischer jedoch schwer, einen toten Wal in den Hafen zu bringen und an Forscher zu übergeben.

Deshalb wird jetzt ein anonymer Abholdienst für alle Ostsee-Fischer organisiert. Beifänge können vor dem Einlaufen in den Hafen anonym an einen Vertrauensmann übergeben werden. Dieser kümmert sich dann um den Weitertransport an Forscher des ITAWS (Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung) Büsum.

Mit PAL für den Wal

Seit April 2017 schützt das neue Warngerät PAL  (Porpoise Alert) Schweinswale vor Beifängen. Diese neuartige Technik wird den Stellnetzfischern  kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Die neu entwickelten PALs wurden durch das  Thünen-Institut für Ostseefischerei (TI) seit 2014 in der  professionellen dänischen und deutschen Stellnetzfischerei in der  westlichen Ostsee getestet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Geräte in  der Ostsee erfolgreich den Beifang von Schweinswalen verringern können.

Entwickelt hat die Technik Prof. Boris Culik mit seiner Firma "F3: Forschung . Fakten . Fantasie" in Kiel. Sein  programmierbares Warngerät "spricht" die Sprache der Schweinswale: Es  imitiert die natürlichen Warnlaute der Tiere auf der Frequenz von 133  Kilohertz. Das bringt die Wale dazu, ihre Echoortung zu intensivieren.  So können sie die Netze rechtzeitig wahrnehmen und einen Bogen darum  machen.

Eine Besonderheit des PAL ist, dass er die Wale  weniger stresst als sein Vorgänger, der vor allem bei Naturschützern  umstrittene Pinger. Mit Störgeräuschen sollte dieser die Wale von den  Netzen fernhalten. Als "Nebenwirkung" vertreibt der Pinger die Wale aus ihren  Nahrungsgebieten.

Nachdem die PALs zur Serienreife entwickelt  wurden, haben sich die an der Freiwilligen Vereinbarung Beteiligten für  eine großräumige Erprobung entlang der gesamten schleswig-holsteinischen Ostseeküste ausgesprochen. Dieser Praxistest hat eine Laufzeit von 2 ½  Jahren. Durch die Bereitstellung von insgesamt 1500 PALs können mehr als 300 km Stellnetz bestückt werden.

Die PALs werden ganzjährig zum Einsatz kommen  und ermöglichen so einen durchgängigen Schutz der Wale. Vor dem ersten  Einsatz erhalten die Fischer eine Geräteschulung durch Prof. Culik. Die  Funktionskontrolle und Wartung übernimmt als Koordinationsstelle der  Freiwilligen Vereinbarung das Ostsee Info-Center. Gefördert  wird das Projekt mit Mitteln aus dem Europäischen Meeres- und  Fischereifonds (EMFF) und der Fischereiabgabe.

 

 

 

Meer zum Thema

Meldezettel für Stellnetzfischer

Hier finden Sie den Meldezettel zur Teilnahme an der freiwilligen Vereinbarung.

Freiwillige Vereinbarung

Die freiwillige Vereinbarung finden Sie hier.

Öffnungszeiten

01. April bis 31. Oktober
täglich 10:00 bis 18:00 Uhr

01. November bis 31. März
von 11:00 bis 17:00 Uhr

Von November bis März haben wir montags geschlossen.

Eintrittspreis: Kinder 2,- Euro, Erwachsene 4,- Euro.

Gruppenangebote sind nach Absprache ab 09:00 Uhr möglich.

Telefonische Buchungen (Mo. - Fr., 09.00-14.00 Uhr) unter 04351-726266

Raumbuchungen unter 04351-3027

 

[Kontakt] [Impressum]